Blindfolded Dinner

Leseprobe
Blindfolded Dinner

Sinnliche Vorbereitungen


Stella hatte einen tiefen und erholsamen Schlaf wie schon lange nicht mehr und erwachte erst, als um acht Uhr ihr Handywecker piepte. Im ersten Moment wusste sie nicht, wo sie war. Wegen der zugezogenen schweren Vorhänge war es stockfinster im Zimmer. Doch sehr schnell kam ihr wieder in den Sinn, was am vergangenen Abend geschehen war, und dass diese himmlische Ruhe etwas mit dem Luxus und Komfort eines Grand Hotels zu tun hatte. Rasch schlüpfte sie aus dem Bett und zog die Vorhänge zurück. Strahlender Sonnenschein flutete das Zimmer und begrüßte sie im neuen Tag. Was für ein wundervoller und passender Auftakt, dachte sie beschwingt und verschwand gut gelaunt im Bad. Sie beschloss, erst eine heiße Dusche zu genießen und anschließend das Frühstück im Zimmer einzunehmen. Später würde sie das Hotel mit seinen Annehmlichkeiten und Angeboten in Anspruch nehmen, relaxen und dem Abend so gelassen wie möglich entgegen sehen. Ganz so, wie M es vorgeschlagen hatte. Ihren gestern gefassten Entschluss würde sie nicht ändern.

Später saß sie mit hochgesteckten Haaren im flauschig-weichen Hotelbademantel im Sessel, vor sich ein opulentes Frühstück. Kaffeearoma erfüllte das Zimmer. Kross gebratener Bacon und Rührei, dazu noch ein warmes Brötchen. Sie nippte am frisch gepressten Orangensaft und blickte auf den Hotelflyer mit den Wohlfühlangeboten. Der Spa-Bereich mit der Wellnessoase und das Schwimmbad am Vormittag und für später die Dampfsauna waren sehr nach ihrem Geschmack, ebenso das umfassende Massageangebot, das nach Absprache zu buchen war. Das großzügige Fitnessprogramm ließ sie außer Acht, obwohl es mit einem wundervollen Ausblick bis in den Taunus lockte. Sie fühlte sich fit genug, und da sie keine Sportkleidung eingepackt hatte, erledigte  sich das Thema von selbst. Nein, Ruhe und Entspannung war angesagt, und so buchte sie einen Ganzkörpermassatermin für 11Uhr 30 und einen Saunaaufguss – nach einem Blick auf die Öffnungszeiten – für 15 Uhr.

Stella war bewusst um Gelassenheit bemüht, wollte nicht ständig an die bevorstehenden Ausschweifungen denken. Sie genoss es, allein im Schwimmbad ihre Bahnen zu ziehen. Doch um Punkt zehn Uhr konnte sie sich ein Grinsen nicht verkneifen, als sie einen Blick auf die goldenen Zeiger der großen Wanduhr warf. Jetzt würde M wissen, dass auch er entspannt dem Abend entgegensehen konnte. Wie würden seine Vorbereitungen aussehen? Stella versuchte gleichmäßig zu atmen und nicht in Aufregung abzugleiten. Dennoch spürte sie eine permanente Anspannung, die auch die Asiatin bemerkte, die einige Zeit später versuchte, diese zu lockern. Obwohl ihre Hände weich und sanft über Stellas Haut glitten, ein wohl duftendes Öl verteilten und gleichmäßig einmassierten, gelang es Stella nicht, abzuschalten, im Gegenteil: Der Gleichklang der Hände heizte ihr Kopfkino weiter an, das eindeutig in erotische Gefilde stieg. Wie viele fremde Hände werden es heute Nacht wohl sein, die mich berühren?, dachte sie. Werde ich auch Frauenhände spüren? Ich hätte nichts dagegen. Hart standen ihre Brustwarzen, als sie sich auf den Rücken drehte, weich war der Blick der Asiatin, die Stellas Zeugnis der Erregung natürlich ihrer kundigen Behandlung zuschrieb.

Gegen Mittag schlüpfte sie in ihr Kleid vom gestrigen Abend, verzichtete aber auf Unterwäsche, Strümpfe und auch auf ihre Heels. Stattdessen wählte sie die marineblauen Slipper, die sie wohlweislich ebenfalls eingepackt hatte. Erneut waren ihr M’s Worte zur Einstimmung auf den Abend in den Sinn gekommen, und so betrachtete sie diese freizügige Bekleidung als eine Art Generalprobe. Slipless und ohne BH fuhr sie mit geröteten Wangen hinunter ins Restaurant und wurde das Gefühl nicht los, dass jeder, der ihr begegnete, ihr ansehen könnte, wie luftig es unter ihrem Kleid war. Eine Vorstellung, die durchaus reizvoll war, der sie sich aber nie vollends entziehen konnte, da sie doch noch von einem winzigen Schamgefühl begleitet war. Erst als sie im Hotelrestaurant einen freien Tisch gefunden und Platz genommen hatte, wich ihre leichte Nervosität. Kurzerhand wählte sie als leichtes Mittagsgericht eine Frankfurter Spezialität, die sie schon ewig nicht mehr probiert hatte: Frankfurter Grüne Soße. Mit einer kleinen Portion Tafelspitz. Dazu einen leichten Sancerre von der Loire.
Grie Soß, dachte sie, als das Gericht serviert wurde, das Lieblingsessen ihrer Mutter. Als sie noch ein kleines Mädchen war, stand die regionale Spezialität mindestens einmal pro Woche auf dem heimischen Esstisch. Bestehend aus sieben Kräutern: Sauerampfer, Schnittlauch, Borretsch, Kresse, Kerbel, Pimpinelle und Petersilie. Dazu gab es zwei hartgekochte Eier und Pellkartoffeln. Es bewegte Stella, das eher als Armeleuteessen bekannte Gericht in einem Grand Hotel wiederzufinden, wo es im krassen Widerspruch zu Gourmetspeisen stand. Der Tafelspitz passte ausgezeichnet, und Stella aß mit Appetit und in aller Ruhe.
Die Erinnerungen an ihre Kindheit lenkten sie für eine Weile ab.
Doch als sie später in der Hotellounge ihren Cappuccino einnahm und mit übergeschlagenen Beinen in einer der Illustrierten blätterte, bemerkte sie erneut die Blicke der männlichen Hotelgäste. Sie musterten sie unverhohlen, und prompt musste Stella wieder an ihre Nacktheit unter dem Kleid denken.

Risse bekam ihre Beherrschung allerdings in der türkischen Dampfsauna. Ein trübes, dezentes Licht wurde fast gänzlich vom Dampf verschluckt. Stella vermochte nicht ihre Hand zu sehen, als sie den Arm ausstreckte. Leise, fast sphärische Klänge aus unsichtbaren Lautsprechern lullten sie ein. Doch wirklich abtauchen in wohltuende Entspannung konnte sie nicht. Es herrschte nahezu tropische Schwüle, so dass Schweißtropfen aus jeder Pore ihrer Haut traten und in kleinen Rinnsalen ihren Körper entlang rannen. Stella hatte einen Fuß neben dem Po aufgestellt und bequem das Knie nach außen gelegt, mit geöffneter Mitte saß sie auf den beschlagenen Kacheln. M, dachte sie, wohin wirst du mich entführen? Dicke, harte Genitalien tauchten vor ihrem inneren Auge auf, Schwänze, die vor Begierde zuckten und nach ihr verlangten.
Gedankenverloren streichelte sie ihre feucht glänzenden Brüste, umkreiste die harten und abstehenden Nippel, während ihre andere Hand zwischen ihre Beine wanderte. Sechs Männer? Der Gedanke ließ ihr keine Ruhe. Die ständig wechseln, nach jedem Gang die Plätze tauschen? Und sechs Frauen, genau so nackt unter dem Umhang wie ich? Willige, geöffnete Schenkel, pralle Brüste, lustvolle Geräusche … Was für ein Szenario! Ihr Mittelfinger hatte ihre Perle erreicht. Zart ertastete sie den empfindlichen Punkt, drückte ihn sachte, und glitt tiefer bis zum Eingang. Sie ließ ihren Gedanken weiter freien Lauf. Wie würde sich das Entree gestalten, das Kennenlernen der anderen Gäste? Die ersten Blickkontakte, das erste Beschnuppern würden sicher schon für eine prickelnde Atmosphäre sorgen. Wie werden die anderen Damen agieren? Einen Konkurrenzkampf untereinander kann es eigentlich nicht geben, überlegte sie, das Verhältnis ist bewusst ausgeglichen. Das klang nach einem entspannten Intro und einem aufregenden Verlauf. Bestimmt wird es längere Pausen geben zwischen den einzelnen Gängen. Was wird alles möglich sein? Wie sieht die Location aus, und vor allem: Was ist mit dir, M?
Überraschenderweise zog sie bei dem Gedanken an M, ihren Tischherrn und Begleiter, ihre Hand zurück. Wirst du bei mir sein? Mich beschützen? Mit mir durch die Nacht gehen? Etwas unwohl wurde ihr bei dem Gedanken, wenn er sie allein lassen würde. Auch er würde nach jedem Gang seinen Platz wechseln und ständig neue Tischnachbarinnen haben. Damen, schamlos und aufreizend gekleidet wie sie selbst, und die nicht minder erregt waren wie Stella. Ganz zweifellos war M ein attraktiver Mann, er gefiel ihr, und doch, schon nur einen Abend später sollte sie lernen, ihn mit weiteren Frauen zu teilen? Nachdenklich starrte sie in den feuchten Dunst. Eifersucht ist ja gar nicht so mein Ding, versuchte sie, das leichte Unbehagen zu vertreiben. Andererseits war sie sich natürlich ihrer eigenen Ausstrahlung auf Männer bewusst. Sie war seit dem Teenageralter damit vertraut, deutlich Nein zu sagen, wenn sie bedrängt wurde. M hatte sie nicht von ungefähr gebeten, seine Begleiterin zu sein. Er sagte außerdem, dass nichts geschehen würde, was sie nicht selbst auch wollte, und er kannte die Spielregeln. Daher wusste er auch, dass er sie gefahrlos in andere Männerhände würde geben können. Wenn ich es denn will, fügte sie einen letzten eigensinnigen Gedanken hinzu.
Damit verließ sie das Dampfbad, und tauchte ins Erfrischungsbecken ab. Wenig später hüllte sie sich belebt und abgekühlt in einen Bademantel, band ein Handtuch um den Kopf und ließ den Saunabereich hinter sich. Sie war aufgewühlt, verspürte keine Lust, im Ruheraum auf einer der hölzernen Kippliegen zu weilen und einer Pseudoentspannung zu frönen. Es wurde Zeit, dass sie ihre Fingernägel pflegte.

Die Stunden vergingen, wie von Stella erwartet und befürchtet, trotz all der Annehmlichkeiten doch etwas zäh und viel zu langsam. Kurz nach vier war ihr Badewasser eingelaufen und sie konnte sich ganz dem Genuss der Körperpflege widmen. Um 19 Uhr wollte sie fertig sein. Zeit genug, um erneut wohlig-prickelnden Gedanken und steigender Vorfreude nachzuhängen. Nach sorgsamer Reinigung aller Körperöffnungen und der peinlichst genauen Enthaarung ihrer Beine und des Intimbereiches verwöhnte sie ihre Haut mit einer pflegenden Lotion. Nachdem sie ihre Haare in Form gebracht hatte, ging es ans Schminken. Sie liebte die Feinarbeit mit Pinseln, Eyeliner, Wimpernzange und anderen Schminkutensilien, zelebrierte es geradezu. Sie wählte einen Lippenstift, der zum roten Kragen des Umhangs passte, im Zusammenhang mit der venezianischen Halbgesichtsmaske würde er einen besonderen Effekt erzielen. Kurz darauf begann sie die Maniküre, in dem sie zunächst das Rot vom Vortag entfernte und die Nägel polierte. Danach trug sie mit geübter Hand den neuen Nagellack auf und bewunderte beim Trocknen die dunkle, blutrot schimmernde Farbe. Sehr sexy, stellte sie zufrieden fest. Eine Pediküre war nicht nötig, sie hatte die Fußnägel erst gestern frisch lackiert.
Trotz der ausführlichen Vorbereitungen war letztendlich noch über eine Stunde Zeit. Gelegenheit, den Cappuccino zu genießen, den Stella vom Zimmerservice hatte bringen lassen.
Mit beiden Händen hielt sie die Porzellantasse, darauf bedacht, die frisch lackierten Nägel zu schonen, und nippte vorsichtig an der Kaffeespezialität. Wie würde er erst wirken, wenn sie komplett ausgehfertig war? Doch etwas fehlte noch. Vorfreudig ließ sie den Bademantel zu Boden gleiten, nahm auf dem Bett Platz und zog vorsichtig die Schutzhülle von der Verpackung der neuen Nylonstrümpfe. Die Londoner Luxusdessous waren Stellas absolutes Lieblingslabel. Models wie Catherine Bailey, Dita von Teese, Kate Moss, Kylie Minogue und Hailey Clauson, die für diese Firma arbeiteten, kamen ihr in den Sinn, und sie musste lächeln.
Behutsam ließ sie erst den hauchdünnen Stoff durch ihre Finger gleiten, rollte dann den Strumpf ein und zog ihn langsam über den Fuß. Trotz des vergleichsweise hohen Preises war die Laufmaschengefahr nicht zu unterschätzen, sie musste aufpassen. Sündhaft teuer war genau das Richtige für einen sündigen Abend. Stella liebte das Gefühl der glatten, samtweichen Nylons an ihren Beinen. Schlichte Eleganz kombiniert mit erotischem Reiz, verhüllend und doch verlockend … Perfekt für einen ausschweifenden Abend mit Stil.
An halterlosen Strümpfen darf eine Dame niemals sparen, besonders dann nicht, wenn die Mischung aus Eleganz und Verruchtheit betont werden soll.
Schließlich trat sie im Flur vor den großen Wandspiegel und legte den schwarzen Seidenumhang um. Band oben am Hals die Schleife zusammen, zupfte ihn zurecht. Anschließend nahm sie die venezianische Maske zur Hand, und wieder war sie von dem fein lackierten Metall und seiner Verarbeitung fasziniert. Sie war gestern Nacht beim Anprobieren kaum wiederzuerkennen gewesen. Heute blitzten ihre blauen Augen herausfordernd und erwartungsvoll aus den Aussparungen, ihre Nase und Wangen dagegen waren mit dem dünnen Muster bedeckt, auch fast die gesamte Stirn. Stella war froh, dass sie das Prachtstück bereits anprobiert und die Wirkung geprüft hatte. So konnte sie nun ihre Frisur perfekt darauf abstimmen. Ihre fast schwarzen Haare passten hervorragend zu dem Gesichtsschmuck und ließen Stella magisch, ja fast mystisch erscheinen. Der rote Lippenstift betonte ihren fein geschwungenen Mund und ihre laszive Erscheinung genau nach ihren Vorstellungen.
Stella war von ihrem Anblick begeistert und beschloss, dass diese Partynacht ihre Nacht werden würde, unabhängig davon, was mit M sein würde. Jetzt, da sie perfekt vorbereitet war, mutete ihre Verkleidung noch um einiges schamloser an als gestern. Nackt, nur von einem Umhang bedeckt! Sie konnte es selbst kaum glauben, worauf sie sich da eingelassen hatte. Drei Spritzer ihres Lieblingsparfums trug sie bereits jetzt schon auf, dann schlüpfte in die Pumps. Sie straffte ihren Körper, spürte ihn im sicheren, hochhackigen Stand. Ein wenig Vorglühen kann nicht schaden, dachte sie, und ging hinüber zum kleinen Kühlschrank. Mit einem Glas trockenen Rieslingsekt von der Mosel prostete sie ihrem Spiegelbild zu. Stella genoss ihre Schönheit und Ausstrahlung, die nun optisch zur Geltung brachte, wie sie sich fühlte: überaus verführerisch.
Sie stellte das Sektglas ab, wollte beide Hände frei haben und lüftete vor dem Spiegel den schwarzen Umhang. Stella wollte sich in ihrer Nacktheit sehen, wollte ihre Wirkung prüfen, ließ ihren Blick von oben nach unten gleiten. Mit beiden Händen hob sie ihre Brüste an und massierte sie leicht, während sie im Spiegel den reizvollen Kontrast der dunklen Nägel auf ihrer hellen Haut bewunderte. Beschwingt drehte sie sich nach hinten, zog den Umhang noch weiter zur Seite und warf einen kritischen Blick über die Schulter auf Po und Oberschenkel. Die halterlosen Nylonstrümpfe saßen wie eine zweite Haut, machten ihre Beine noch schlanker und ließen sie noch länger erscheinen. Befriedigt nahm Stella die edle und erotische Wirkung ihrer Pumps wahr. Die Absätze waren verwegen, nicht stilettodünn, sondern breit genug, um noch halbwegs bequem darin gehen zu können. Sie als Model war natürlich darin geübt, doch Steintreppen auf- und absteigen war schon eine andere Herausforderung, als eine gerade Strecke über einen Laufsteg abzuschreiten.
Nein, vor einer Blöße hatte sie keine Angst, sie war Profi und kannte das Parkett. Lediglich das schlüpfrige Parkett noch nicht. Doch sie war bereit, auf eine entsprechende Heranführung durch M zu vertrauen. Auch die Konversation machte ihr kein Kopfzerbrechen. Mit auseinander gestellten Füßen stand sie vor dem Spiegel, der halb geöffnete Umhang ließ den Beobachter ihre Nacktheit erahnen. Ein unglaublich lustvolles Gefühl durchflutete sie, als ihr bewusst wurde, dass sie nachher so unter Leute gehen würde, etwas, an dass sie bis dato weder gedacht geschweige denn jemals getan hatte. Eine Premiere stand ihr bevor, etwas Einmaliges, das ihren Herzschlag jetzt schon in Wallung brachte. Rasch trank sie noch einen Schluck Sekt. Auf dem kleinen Sideboard lag ihre Handtasche mit dem dünnen, langen Goldkettchen, bereit, die wichtigen Dinge der Weiblichkeit und des Wohlfühlens zu beherbergen. Nun war Stelle gewappnet für den Abend.





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